Aktuelle News

Wenn Chefs die Stärken schwächen

Es hapert an Ideen und Kreativität. Denn sie bringen das Momentum, das Deutschland braucht, um nach vorne zu kommen. Das hat sogar Bundespräsident Horst Köhler in seiner Antrittsrede formuliert. Und in der Tat: In der richtigen Idee zur richtigen Zeit steckt die Energie für den großen Ruck, der immer wieder gefordert wird. Aber frische Gedanken und innovative Konzeptionen haben es hierzulande nicht leicht. „Wir klammern uns zu sehr an dem fest, was wir haben. Und wir leben zu sehr in der Angst zu scheitern.“ Auch hier liegt der Bundespräsident richtig. Der Wille, Fehler zu vermeiden, zählt in vielen Unternehmen mehr als der Mut zu neuen Wegen. Dabei sollte die Begeisterung für zukunftsträchtige Ideen und Lösungsvorschläge doch Chefsache sein. Denn dort, wo Menschen sich begeistern, gedeihen Ideen besonders gut. Viele Führungskräfte haben erkannt, wie wichtig Lust und Laune für die Performance des Unternehmens sind. Oft jedoch sind teure Motivationsseminare nur die Antwort auf Frust und Unlust. Das Resultat: Der Mitarbeiter begeistert sich mehr für die Trainer als für die eigene Führung. Noch schlimmer aber: Er erkennt, was der eigene Boss alles unternimmt, um die Stärken seines Teams zu schwächen.

Fakt ist: Motivation entzünden und Begeisterung entfachen sind Führungsaufgaben. Gestalten und leben die Chefs eine Kultur, die jedem im Team das Gefühl vermittelt, Teil von etwas Wichtigem zu sein – die Mitarbeiter werden sich wichtig fühlen. Und sie werden das in bare Münze umsetzen, die hochmotivierten Mitarbeiter, die Ideen einbringen, die sich konstruktive Gedanken machen über die Firma, die nicht einfach nach Feierabend abschalten, die auch mal am Wochenende reinhauen und nicht gleich zum Arzt rennen, wenn’s in der Nase juckt. So was gibt’s heute noch? In der Tat, es gibt noch angestellte Goldstücke in deutschen Landen. Und es gibt sie viel öfter, als manche denken. Aber irgendwann verlieren sie ihren Glanz. Denn auch ihn gibt es – Gott Merkur sei’s geklagt – immer noch weit öfter als es erlaubt sein sollte: den Boss-Typ. Heutzutage ist er um die vierzig, außen gern unkonventionell aber innen oft genug altbacken, wenngleich er den Protz-Daimler gegen Ferrari oder Jaguar getauscht hat.

„Starrsinnige Patriarchen ruinieren oft die Firma.“
– Unternehmensberater Peter May

Ja, er gibt sich gern fortschrittlich, er redet gerne über die anderen, die Zurückgebliebenen, die Nichtsmerker, die Gestrigen und die Fortschrittsverweigerer. Dabei ist er selber voller Misstrauen gegen jeden und alles. Und er ist so eng gestrickt, dass er allem Neuen gegenüber erst einmal verschlossen reagiert wie eine verbeulte Hutschachtel vom Sperrmüll. Führungsalltag in vielen Unternehmen, die Patriarchenorientiert sind. Und damit unfähig zur Bewegung.
Die Folgen werden irgendwann fatal: Ideen verlaufen im Sande oder erfrieren im Eis, Innovationen verdorren, die Kreativköpfchen aller Abteilungen rennen gegen eine Wand aus Schweigen und „No Reaktion“. Und bald tut niemand mehr als er muss. Irgendwie logisch bei so viel fataler Führungskultur. Offenheit und Klarheit in der Führung? Entscheidungen? Fehlanzeige, Altkanzlerisches Aussitzen feiert Hochkonjunktur.

Und eines Tages endet das Lied dann so: Die einstigen Goldstücke, verrostet und ungepflegt, sind im Dornröschenschlaf versunken. Dienst nach Vorschrift, Stundenschieben, Klönschnack und Gähnorgien prägen fortan das ehemals agile Teamleben, der Kunde interessiert nicht mehr und das spricht sich rum. Oder es entsteht eine innere Gegenbewegung: „Mein Boss ist ein Patriarch, ungefähr so beweglich wie ein Saurier auf Entzug. Und außerdem, was der kann, kann ich auch. Nur gaaanz viel besser…“
Wie viele erfolgreiche Geschäfte werden wohl aus solchen Gedankengängen erwachsen sein? Wie viele Unternehmen mögen entstanden sein aus Mitarbeitern, die sich in ihrer Firma gedeckelt, unterfordert und machtlos fühlten, und die nun in Eigenregie etwas aufgebaut haben. Oft sogar in der eigenen Branche und gleich nebenan.

Umgekehrt: Wie viele Potentiale mögen noch brach liegen? Weil querköpfige Unternehmer an ihrem Entscheidungsmonopol kleben wie die Fliege am Selbstbeweihräucherungshonig. Weil der Fisch vom Kopf her stinkt. Und weil der Grundsatz von John F. Kennedy ignoriert wird, auf den er seinen eigenen Erfolg zurückführte. Nämlich sich Mitarbeiter zu suchen, die mindestens so gut sind wie man selbst und deren Kompetenzen und Know how aktiv zu nutzen…

Check Also

Aufschwung für Deutschland? Eine Qualitätsfrage!

Mir ist noch kein Mensch begegnet, der behauptet hätte, dass er sich SELBST nicht liebt. …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *