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Siegerlegenden unter der historischen Zeit-Lupe

Spekulationen und Legenden über die „Geheimnisse und Erfolgsrezepte“ von Menschen, die die Welt veränderten, hat es schon immer gegeben. Das gilt auch für die deutschen Wirtschaftsbosse.

Wer sich aber einmal in die Biografien deutscher Gründer-Ikonen – von Robert Bosch und Gottlieb Daimler über Neckermann und Nixdorf, bis hin zu Thyssen und Zeiss – vertieft, muss Abschied nehmen von manchem Millionärsmärchen.

„Erfolgreiche Gründer sind geldgierig“…
Bei den meisten Gründerpersönlichkeiten spielt das Streben nach Reichtum eine untergeordnete Rolle. Der Traum von Glamour, Gold und Geld reizt sie nicht. Karl Benz drückte das einmal so aus: „Erfinden ist schöner als erfunden haben.“ Für Menschen dieser Denkart ist Geld meist nur Mittel zum Zweck.

„Das Glück gehört dem Tüchtigen“…
Gründer werden nicht durch glückliche Zufälle groß, zumindest bleiben sie es nicht. Glück ist eher eine Größe, die auch die Großen eher klein bedenkt. Johann Jacobs verlor durch Kriege sein Vermögen. Phillip Holzmann und Friedrich Krupp wurden von schweren Krankheiten geplagt. Carl Zeiß, Werner Siemens oder Gottlieb Daimler mussten den frühen Tod ihrer Ehefrauen hinnehmen – Pechsträhnen, Niederlagen und Rückschläge gehen auch an den Erfolgreichen nicht vorbei.

„Herkunft und Bildung machen den Erfolg leichter“…
Kinderstube, Geld und Bildung, alles was Siegern vermeintlich in die Wiege gelegt wird, ist weniger wichtig als viele annehmen. Das Erbe ist wie bei Hans im Glück keine bleibende Größe. Viele Unternehmer kommen aus kleinen Verhältnissen, ohne Bildung und mittellos. Herkunft, Geld und Bildung sind keine Garantie für den Erfolg.

„Die größte Triebfeder ist die Macht“…
Auch das ist ein Klischee. Den vielbeschworenen Killerinstinkt haben die wenigsten. Allerdings bringen viele eine natürliche Neigung zum Patriarchentum und den Befehls-ton mit. Die Freude an der Macht ist ihnen aber meist fremd. Es geht ihnen um das Ziel und nicht um die Befriedigung ihres Autoritätsstrebens.

„Soziale Kompetenz ist ein unverzichtbarer Erfolgsbaustein“…
Kaum einer der großen Gründer war charmant, umgänglich, kommunikativ oder gar gruppenintegrativ. Dagegen waren viele von ihnen empfindliche Eigenbrötler, manche kauzig bis zur Unerträglichkeit: der jähzornige Daimler, der verschrobene Thyssen, der eitle Porsche, der opportunistische Neckermann, der herrische Nixdorf, der derbe Rosenthal oder der penible Karstadt. Leider ist die Annahme irrig, zum großen Erfolg gehöre ein ausgeglichenes Wesen.

Das letzte „Geheimnis“ erfolgreicher Unternehmer bleibt ihre Individualität. Anders als angestellte Manager sind sie schon „von Berufs wegen“ eigen, weil eigenständig. Sie passen in kaum ein Schema, weil ihre Welt ja gerade das Unschematische ist. Sie suchen das Neue, das Andere, das Eigene und wagen den Sprung in das Ungewisse – oft wider die Erfahrung und wider die Norm. Sie sind sich selber Norm und ihre einzige Hierarchie bleibt das Gesetz des Marktes.

Kein Wunder, dass graue Mäuse, Einheitstypen oder normierte Manager unter ihnen keinen Platz finden konnten. Sie kamen nicht als kalte Macher in anonymen Großkonzernen daher. Sie waren Kerle aus Fleisch und Blut, mit Ecken und Kanten, mit Marotten, Leidenschaften und Empfindlichkeiten.

Ihre unternehmerische Unabhängigkeit geht mit der personalen Freiheit einher. Sie mussten und wollten ihrer Umwelt nicht unbedingt gefallen – und genau das machte sie so merkwürdig stark. In einer immer funktionaler werdenden Welt, verkörpern die Unternehmer des alten Schlages geradezu das personale Prinzip. Durchaus denkbar, dass eines Tages gerade das wieder zur Triebfeder eines neuen Erfolgsdenkens wird…

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